The Mozart must go on. Der etwas andere Opernabend.

Am 18.02.2015 die Vorstellung der Bayerischen Staatsoper (BSO) von Mozart’s „Così fan tutte“ im Nationaltheater. Ich bin im Allgemeinen zugegebenermaßen kein begeisterter Anhänger der Mozart-Opern, aber diese Repertoire-Vorstellung wartete mit einer für mich interessanten und meiner Einschätzung nach sehr guten Besetzung auf.

IMG_5273
Blick ins Parkett des Nationaltheaters München vor Beginn der Repertoirevorstellung „Così fan tutte“ am 18.02.2015

Es versammelte sich unter der musikalischen Leitung von Jérémie Rhorer ein Teil des talentierten Nachwuchses aus dem Ensemble der BSO bzw. aus dem Opernbereich.

Die Besetzung lautete wie folgt:

Fiordiligi Marina Rebeka
Dorabella, ihre Schwester Angela Brower
Guglielmo, verlobt mit Fiordiligi Gyula Ordent
Ferrando, verlobt mit Dorabella
Lawrence Brownlee
Despina Tara Erraught
Don Alfonso Luca Tittoto

Schon zu Beginn war ich verwundert über die ungewohnt späte Öffnung der Türen in den Zuschauerraum des Nationaltheaters. Kurz vor 19.00 Uhr konnten die Zuschauer schließlich ihre Plätze einnehmen. Bereits zu diesem Zeitpunkt gingen „Gerüchte“ um, es gäbe Probleme mit dem Bühnenbild. Dies bestätigte sich in der Tatsache, dass der Eiserne Vorhang deutlich sichtbar nicht bis zur Gänze nach oben gefahren war.

Dann, der Moment als ein Mitarbeiter des Direktoriums vor den geschlossenen Vorhang trat. Jeder der des Öfteren in die Oper oder ins Theater geht, weiß, dass dies meist kein gutes Zeichen ist. So auch in diesem Fall. Ich nehme es bereits vorweg: Es war nach der Pause zwei weitere Male notwendig, sich vor den Vorhang zu begeben und der Bote schlechter Kunde zu sein. Dazu im Weiteren mehr.

Aufgrund des Defekts am Eisernen Vorhanges musste zuständigkeitshalber Rücksprache mit der Branddirektion der Stadt München genommen werden. Nach ersten Gesprächen wurde dabei aufgrund nicht ausreichend gewährleisteten Brandschutzes die Absage der Vorstellung durch die Behörde als erste Option benannt, so die offizielle Mitteilung. Die BSO war jedoch bemüht eine Absage zu vermeiden und so bot man an, auf das gesamte Bühnenbild zu verzichten und nur einzelne Requisiten zum Einsatz zu bringen. Aufgrund dieser drastischen Reduzierung von brennbarem Material auf der Bühne konnte die Vorstellung auch unter Gesichtspunkten des Brandschutzes stattfinden. Das fehlende Bühnenbild musst durch Improvisation und schauspielerisches Talent der Sänger, welche erst kurze Zeit vorher von der Situation erfahren hatten, ausgeglichen werden. Dem Publikum wurde aufgrund der Umstände angeboten die Vorstellung zu verlassen und den Kartenpreis zurückerstattet zu bekommen. Meinem Anschein nach wollten jedoch alle am „Experiment Così“ teilnehmen.

Nach Ouvertüre und beim Öffnen des Vorhanges wurde allen Zuschauern klar, was vorher nur in Worte gekleidet war. Der geneigte Münchner Operngänger als auch ich hatte wohl sofort die Inszenierung des „Guillaume Tell“ von Regisseur Antú Romero Nunes aus der letzten Spielzeit vor Augen. Der gesamte Bühnenraum und – boden war „nackt“. Lediglich ein Baum war am linken Bühnenrand postiert.

Die lettische Sopranistin Marina Rebeka konnte ich nach ihrer „Mathilde“ in „Guillaume Tell“ nun ein zweites Mal an der BSO erleben. Ich mag vor allem das Timbre ihrer Stimme. In den Arien, insbesondere bei Per pietà, ben mio, konnte sie mit ihrem natürlichen Vibrato und ihren lebendig-dynamischen, aber immer klaren Koloraturen überzeugen.

Angela Brower konnte aufgrund Krankheit die erste Vorstellung dieser Così-Serie nicht singen, meldete sich nun aber zurück auf der Bühne. Von Krankheit war im 1. Akt aufgrund ihres stimmlichen Ausdrucks keine Spur. Die neckisch-trotzige Rollenanlage der „Dorabella“ setzte sie gut um. Nach der Pause war Brower für alle unerwartet aufgrund akuter Beschwerden gezwungen in ihrer Umkleide zu bleiben.

Den gesanglichen Part übernahm konzertant von Bühnenseite Gaëlle Arquez. Diese wurde in der Pause per Taxi von zu Hause als Einspringerin zum Nationaltheater gebeten. Daher war es notwendig die Pause auf 60 Minuten auszudehnen. In Persona auf der Bühne wurde sie durch die Spielleiterin des Abends vertreten.

Das Ensemblemitglied Tara Erraught debütierte mit „Despina“ und konnte in dieser Rolle, neben ihren gesanglichen Qualitäten, ihre komödiantisches Schauspieltalent wieder einmal unter Beweis stellen. Sie verkörperte eine schlitzohrige und gewiefte Haushälterin. Mir hat bereits ihre Rollendarstellung der „Carlotta“ in Barrie Kosky’s bunter „Schweigsamen Frau“ an der BSO außerordentlich gut gefallen und meine Lachmuskeln strapaziert. Insgesamt ein sehr gelungenes Rollendebüt.

Bei der Herrenriege stach vor allem Lawrence Brownlee mit seiner warmen und lyrischen Tenorstimmlage heraus. Gyula Ordent hatte bei seiner kraftvollen und einnehmenden Arie Donne mie, la fate a tanti die Aufmerksamkeit bei sich, als er im beleuchteten Zuschauerraum bei geschlossenem Vorhang auf der Balustrade zwischen der ersten Reihe Parkett und dem Orchestergraben balancierte.

Ein Opernabend, der mir sicherlich immer im Gedächtnis bleiben wird. Auf das Team der Bayerischen Staatsoper kamen (fast) alle Ad-hoc-Probleme, die im abendlichen Opernbetrieb vorstellbar sind, zu. Diese haben sie mit viel Bravour gelöst. Um 23.40 Uhr war das Mozart’sche Verwirrstück mit Wagner’scher Länge zu Ende. Das Münchner Publikum reagierte überwiegend gelassen und zollte den Beteiligten mit Szenenapplaus und Standing Ovations beim Ruf vor den Vorhang den verdienten Respekt.

Advertisements

1 Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s