Götterdämmerung. Mein erster Ring. Es dämmert.

Nachdem mit der gestrigen Vorstellung der „Götterdämmerung“ Wagner’s „Ring des Niblungen“ für diese Spielzeit geendet hat, habe auch ich nun meinen ersten kompletten Ring erlebt.

Ohne Zweifel war die Besetzung sowie das herausragende Dirigat von Kirill Petrenko eine wahre Freude. Petrenko führte eine ganz andere und für die Ohren spannende Interpretation von Wagner’s Tetralogie auf. Dies mag natürlich vergleichend zu Bayreuth auch am offenen Orchestergraben liegen.

'Götterdämmerung' - Schlussapplaus für Kirill Petrenko
‚Götterdämmerung‘ – Schlussapplaus für Kirill Petrenko

Dennoch war der gesamte Ring davon geprägt, dass die teilweise oft bei Wagner feststellbare mystische Patina auf den Werken so gut wie nicht vorhanden war. Petrenko lieferte eine frische und klare musikalische Ausgestaltung ab. Das Bayerische Staatsorchester spielte wie immer auf höchstem Niveau. Es gelang außerdem die Balance zwischen Sängerfreundlichkeit, und damit auch Textverständlichkeit, und notwendiger Dramatik durch Lautstärke zu finden.

Die Inszenierung von Andreas Kriegenburg hatte sehr starke Momente. In Teilen war sie aber auch von Einfachheit geprägt bzw. es ergab sich kein logischer Schluss in der Gesamtschau. Insbesondere an der Schmiedeszene im ersten Aufzug von „Siegfried“ konnte ich keinen Gefallen finden.

Insgesamt war ich aber vom Konzept durch Statisten Kernelemente verkörpern zu lassen (z. B. den Rhein oder Walhall) sehr angetan.

In diesem Zusammenhang fand ich in der neuen Ausgabe der Hauszeitschrift der Bayerischen Staatsoper „MAX JOSEPH“ zwei interessante Passagen, die mir aus dem Herzen sprechen und meine Erfahrungen wiedergeben:

„Ich habe symphonische Musik immer geliebt, und sie hat dann auch in meiner Pubertät eine sehr große Rolle gespielt. Die Oper hat einen Hauch länger gebraucht. Oper ist wie Wein- oder Biertrinken, man muss erst eine Hemm- schwelle überwinden, dann gewöhnt man sich dran und dann ist es geil. Plötzlich merkt man dann auch: Dieser Wein schmeckt anders als jener. Das ist super.“
Axel Ranisch in MAX JOSEPH, Ausgabe 3/2014-2015
„Flüchtig begegnete ich ihm bereits 1989. Doch erst 2010 geschah jenes Treffen, das mich für immer veränderte. Eine Freundin, Dodie Kazanjian, Kuratorin der Gallery Met in der Metropolitian Opera, gab mir einen Mitschnitt der Ring-Tetralogie, dirigiert von James Levine. Ein Jahr später erlebte ich dann „Die Walküre“ mit Jonas Kaufmann – und da war es um mich geschehen.
Es war außeriridisch schön, ich fühlte mich bei dieser Musik in andere, mir bis dahin unbekannte Sphäre gehoben. Dabei hatte ich Richard Wagner und seine Kompositionen bis dahin immer gemieden.
Aus allem, was ich über ihn hörte und las, schien er ein Scheusal zu sein… Doch dann wurde er ein intimer Freund. Je mehr ich seine Musik hörte – und das geschah nach diesem erhebenden ersten Mal ununterbrochen -, desto mehr begriff ich, wie komplex er ist. Seine Musik besitzt eine unantastbare Wahrheit. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Er rettete mich. Nicht als Seelentröster. Durch die Musik von Richard Wagner verstand ich, dass man, wie in seinem Fall, starke menschliche Gefühle malen kann, ohne schmalzig und abgedroschen zu sein oder in schlüpfrige Klischees zu verfallen. Am schwierigsten für einen Künstler ist es Empfindungen so sichtbar und hörbar zu machen, dass sie die Emotionen in anderen wecken und sich am Ende alle besser fühlen. Seine Musik löst in mir alles aus, Liebe, Lust, Frieden, das Ahnen des Erhabenen, Schmerz, Traurigkeit, Reue. „Die Walküre“ lehrte mich, dass Menschen oder Dinge, die Schönheit transportieren, nicht verständlich oder sinnvoll sein müssen, sondern im Gegenteil die größte Macht besitzen, wenn sie unerklärlich. […]
Ganz sicher bleibe ich Richard treu. Die vielen Aufführungen, die ich inzwischen von seinen Opern gesehen habe, wirken in mir weiter. Ich freu mich darauf, mit ihm älter zu werden, die Stücke immer und immer wieder zur sehen, neue Gefühle zu entdecken und ihm immer besser zu verstehen.“
Elizabeth Peyton (Malerin, u. a. malte sie Jonas Kaufmann für die Porträtgalerie an der BSO) in MAX JOSEPH, Ausgabe 3/2014-2015, S. 10/11

Mit diesen Gedanken auf zu den nächsten Wagner-Opern. Der nächste Ring wird wohl erst bei den Bayreuther Festspielen im August 2015 auf mich warten.

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