Elisabeth I. meets Margaret Thatcher. Roberto Devereux.

barbravonstreusand-958655275606416691_606441222Edita Gruberova. Die letzte Opern-Diva. Die Königin des Bel Canto. Die Meisterin der Koloraturen. Und seit 1989 Bayerische Kammersängerin.

Am Dienstag stand die 68-jährige Sopranistin auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper im Nationaltheater München. Roberto Devereux. Die ‚Tragedia lirica’ in drei Akten von Gaetano Donizetti. Meine zweite Oper von Donizetti. Meine erste Begegnung mit Edita Gruberova.

Die Oper hatte ihre Uraufführung am 28. Oktober 1837 im Teatro di San Carlo in Neapel. In der Geschichte des Münchner Nationaltheaters kam sie erstmals im Jahr 2004 (!) in einer Inszenierung von Christof Loy auf die Bühne. Diese war auch am Dienstag zu sehen.

Die tragische Grundriss der Geschichte um die englische Königin Elisabeth I. und den Grafen von Essex, Roberto Devereaux, wird vom musikalischen Leiter der Münchner Erstaufführung, Friedrich Haider, wie folgt beschrieben:

Alle vier Protagonisten, Roberto und Elisabetta, Nottingham und Sara sind in diesem Kammerspiel Opfer und Täter zu gleich; und so scheint das Prinzip von Gut und Böse am Ende des Stückes gleichsam aufgehoben. Jeder hat seinen persönlichen, moralischen Anspruch erhoben, jeder ist zuletzt ein schuldloser Täter, denn: Wie Böse ist das Böse wirklich, wenn es aus dem Abgrund tiefster Verzweiflung geschieht.

Loy versetzte die Geschichte in die Thatcher’sche Zeit und tauschte äußerlich Elisabetta gleich in Magaret Thatcher mit um. Kulisse war eines der „Hinterzimmer“ des House of Parliament in London; ausgestattet mit tiefen, dunkelbraunen Ledersesseln und Beistelltischen, die zu mehreren Sitzgruppen über die gesamte Bühnenfläche hinweg aufgestellt waren. Nebst Zeitungsständer war für die Herren und Damen Abgeordneten noch ein Wasserspender verfügbar. Im Rahmen der Ouvertüre wurde die Räumlichkeit nochmals durch eine blau gekleidete Putztruppe auf Vordermann gebracht.

IMG_6079Das Drama konnte seinen Lauf nehmen. Ein Umbau des Bühnenbildes fand während der drei Akte grundsätzlich nicht stand. Für die Darstellung der Räumlichkeiten des Herzog von Nottingham und dessen Frau Sara ließ Loy eine Glaswand in der Mitte der Bühne einfahren sowie einen schwarzen Sichtschutz bis auf die Hälfte der Bühnenhöhe herabfahren. Insoweit interessant, da je nach Lichtverhältnis hinter dem Sichtschutz eine parallele Handlung zu beobachten war, z. B. Folterung des Devereaux im Tower. Bei Dunkelheit hinter der Glaswand spiegelten sich die eigentlichen Hauptpersonen des vorderen Bühnenteils. Die Spiegelung der Personen empfand ich als den Ausdruck der oben beschriebenen Zerrissenheit der Charaktere und die der sich ergebenden Doppelrolle von Gut und Böse.

Besonders gespannt war ich persönlich auf Edita Gruberova. Natürlich merkte man der Grande Dame an, dass sie sich im 69. Lebensjahr befindet. Die hohen und langen Töne waren zum Ende nicht mehr so samtig und glatt. Es war einige Schärfe im Ausdruck. Dennoch erstaunlich, welche Energie und Kraft noch in dieser Frau und vor allem in deren Stimme steckt. Die Rolle der Elisabetta (oder auch Margaret Thatcher) verkörperte sie jedoch mit einer unheimlichen Ausdruckskraft in Gestik und Mimik.

Der Rest des Casts (Herzog von Nottingham – Franco Vassallo, Sara – Veronica Simconi, Roberto Devereux – Alexey Dolgov) war ebenfalls ausgesprochen gut und konnte neben Edita Gruberova durchaus auch überzeugen.

Abschließend muss ich feststellen, dass sich Donizetti mehr und mehr anstrengt „meinen“ Verdi in der persönlichen Bestenliste zu überholen. BRAVI. Ein gelungener Abend.

Die Inszenierung wurde 2004 auf DVD aufgezeichnet und ist noch erhältlich. Empfehlenswert.

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