Berlioz. Symphonie fantastique. Fantastisch.

Beeindruckt. Berauscht. Berührt. Beklemmt.

Das sind die in Worte gefassten Gefühlseindrücke, die ich am vergangenen Dienstagabend empfunden habe.

Doch was war der Auslöser?

Berlioz. Hector Berlioz. Symphonie fantastique.

Diese kam im Rahmen des 5. Akademiekonzertes des Bayerischen Staatsorchesters unter Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko im Nationaltheater an besagtem Dienstagabend zur Aufführung.

Eigentlich hatte ich dieses Konzert gar nicht auf der Agenda. Aber der folgende Tweet überzeugte mich spontan noch eine Stehplatzkarte zu kaufen:

Vollständig heißt das Werk Symphonie fantastique (op. 14) – Episode de la vie d’un artiste („Fantastische Symphonie – Episoden aus dem Leben eines Künstlers“). Es wurde 1830 komponiert und kam in Paris am 05. Dezember 1830 zur Uraufführung durch das Orchestre de la Société des concerts du Conservatoire unter Leitung von Francois-Antoine Habeneck. Zu diesem Zeitpunkt war Berlioz 27 Jahre alt. Beethoven, der Großmeister der Symphonien, war gerade erst drei Jahre tot.

Berlioz hat mit seiner Komposition die damalige Art und Weise der Musikschaffung verändert, sogar revolutioniert, und bereitete den Weg für die sinfonische Tondichtung. Ein Bestandteil der neueren Musikgeschichte. Liszt, Dvorák, Strauss, Wagner u. a. folgten und prägten diese Art der Programmmusik weiter.

Berlioz führt den Hörer schon rein musikalisch so genau durch das Programm, wie es damals völlig revolutionär war und auch später nicht wieder übertroffen wurde. er hat die darstellung allgemeiner affekte aufs äußerste präzsiziert und gesteigert – eine modernität, die für die zeitgenossen schockierend  war.
(Kirill Petrenko im Programm zum 5. Akademiekonzert des Bayerischen Staatsorchesters am 13./14. April 2015)

Die Symphonie ist ein autobiographisches Werk über einen Künstler; nämlich Berlioz selbst.

Das Werk umfasst fünf Sätze und orientiert sich damit an der Struktur des klassischen, literarischen Dramas. Unmittelbarer Auslöser freilich war seine amour fou, seine „passion infernale“ für die englische Schauspielerin Harriet Smithson, die damals in Paris als Ophelia auftrat, so Dr. Uwe Schweikert. Schweikert weiter: Ohne sie persönlich kennengelernt zu haben, hatte Berlioz sich in sie verliebt – eine Zwangsvorstellung, die in der die Symphonie beherrschenden „idée fixe“ zur klingenden Gestalt wird. Später erfolgte übrigens dann doch die Hochzeit und nach kurzer Ehe die Scheidung.

Die fünf Sätze sind wie folgt überschrieben:

1. Satz
Träumereien, Leidenschaften (Rêveries, Passions), Largo (c-Moll, 4/4-Takt) – Allegro agitato e appassionato assai (C-Dur, 2/2-Takt); Dauer: ca. 15 Min.

2. Satz
Ein Ball (Un Bal), Allegro non troppo, (A-Dur, 3/8-Takt); Dauer: ca. 6 Min.

3. Satz
Szene auf dem Lande (Scène aux champs), Adagio (F-Dur, 6/8-Takt); Dauer: ca. 16 Min.

4. Satz
Der Gang zum Richtplatz (Marche au supplice), Allegretto non troppo (g-Moll, 2/2-Takt); Dauer: ca. 7 Min.

5. Satz
Hexensabbat (Songe d’une nuit du Sabbat), Larghetto (c-Moll, 4/4-Takt) – Allegro (Es-Dur, später C-Dur, 6/8-Takt); Dauer: ca. 10 Min.

Die einzelnen Inhalte waren auch in einer Art Programm nochmal detailliert umschrieben.

Die Orchestrierung war für mich auch neu und außergewöhnlich. Der Einsatz des Schlagwerks und der Glocken machte besonders Eindruck auf mich. Teilweise waren bis zu vier Spieler an den Pauken erforderlich, um das musikalische Konzept Berlioz‘ umzusetzen.

Als Referenz gelten die Aufnahmen von Bernstein (mit New York Philharmonic, 1963) und Solti (mit Chicago Symphony Orchestra). Klangtechnisch dürfte die SACD-Aufnahme von Järvi (mit Cincinnati Symphony Orchestra, 2001) Maßstab setzend sein. Auffallend für mich, dass es sich dabei ausschließlich um Orchester aus den Vereinigten Staaten handelt.

Joachim Kaiser bezeichnete im Jahr 1985 die damals unter Daniel Barenboim vom Orchestre de Paris gespielte Symphonie als „eine faszinierende intellektuelle und musikalische Erfahrung“. Dem kann ich mich für den vergangenen Dienstag und die Arbeit an diesem Blogpost anschließen.

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