Blogparade: „Kultur ist für mich…“ #KultDef

Tanja Praske rief über ihre Homepage zu einer Blogparade auf! Das Thema: „Kultur ist für mich…“.

Eine spannende Frage, die im ersten Moment scheinbar recht einfach und schnell beantwortet werden kann. Dachte ich. Ich musste dann doch erstmal ein bisschen darüber nachdenken und habe mir auch fast bis zum Ende der Aktion Zeit gelassen, um meine Gedanken hier schriftlich zusammenzufassen.

Kultur… was ist das eigentlich?

Bei Wikipedia findet man allgemein bzw. zur Wortherkunft:

Kultur (von lateinisch cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“) bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. „Kultur“ ist in der deutschen Sprache seit Ende des 17. Jahrhunderts belegt und bezeichnet hier von Anfang an sowohl die Bodenbewirtschaftung als auch die „Pflege der geistigen Güter“.
Der Kulturbegriff ist im Laufe der Geschichte immer wieder von unterschiedlichen Seiten einer Bestimmung unterzogen worden. Je nachdem drückt sich in der Bezeichnung Kultur das jeweils lebendige Selbstverständnis und der Zeitgeist einer Epoche aus, der Herrschaftsstatus oder -anspruch bestimmter gesellschaftlicher Klassen oder auch wissenschaftliche und philosophisch-anthropologische Anschauungen.

Zur Weiterentwicklung des formalen Begriffs eingangs ein Zitat, welches Helmut Dietl seinen Monaco Franze in der gleichnamigen Serie gleich in der ersten Szene zum Besten geben ließ. Dieser umschreibt für mich den Kern der Blogparade #KultDef ganz passend. Und zwar folgenden:

Sowohl die formale Definition als auch der ironische Satz von Franz Münchinger aka Monaco Franze gibt die höchst subjektive Dimension im Bereich der Kultur wieder. Nicht umsonst haben wir schon im Sprachgebrauch verschiedene Kulturbegriffe – beispielsweise Subkultur, Popkultur, Hochkultur. Es gibt damit kein richtig oder falsch, kein gut oder schlecht, kein weiß oder schwarz. Es gibt Grautöne, ja. Und es gibt persönliche Präferenzen und Vorlieben. Diese Kulturdefinition eines jeden Einzelnen sollte man auch respektieren.

Auch dafür findet sich in der Serie Monaco Franze ein herrliches (Negativ-) Beispiel:

Soviel zur Definition und nun hin zu meiner eigenen Sichtweise von Kultur oder was Kultur für mich bedeutet.

Kultur ist für mich…

Mit Faust’s Worten nun zu „Pudels Kern“ des Blogposts. Was ist Kultur für mich?

Mein persönlicher Kulturbegriff hat sich in den letzten zwei Jahren sehr verschoben. Ich war als Jugendlicher bis zum Ende meiner 20er in Sachen Musik vielseitig interessiert. Kurz gesagt von ABBA bis Zappa hab ich fast alles gehört. Von Pop über Rock, R’n’B, auch manchmal ein bisschen „Mainstreamklassik“. Es war deutschsprachig, englisch, französisch, italienisch. Alles dabei und ziemlich viel gemischt. Je nach Lust und Laune oder aktueller Stimmung. Geprägt war dieses Interesse und die Vielseitigkeit wohl auch durch das Kramen als Kind in der Schallplattensammlung meiner Eltern. Diese hatten jedoch nie klassische Musik gehört. Auch der familiäre Rest nicht. Und ich war auf sehr vielen Popkonzerten. Britney Spears, Pink, Beyonce, Alicia Keys, Take That, Robbie Williams, Lady Gaga, Herbert Grönemeyer, Elton John, Tina Turner, Celine Dion und ich könnte die Liste beliebig fortsetzen. Es waren wahnsinnig beeindruckende Shows und viele tolle Momente dabei. Ohne Frage. Und das war damals auch mein Kulturbegriff. Keine Gemälde oder klassische Konzerte. Aber es war für MICH Kultur.

Vor zwei Jahren verschob sich dann mein Kulturbegriff. Warum? Das habe ich in einem meiner ersten Blogposts beschrieben: Oper – Das unbekannte Wesen. Oder: Wie alles begann.

Seither widme ich mich der klassischen Musik und dabei insbesondere der Oper. Aber auch dem Sprechtheater und das eine oder andere Museum/Kunstausstellung haben in diesem Zusammenhang mein Interesse geweckt. Bei all diesem gibt es zumeist auch eine historische Dimension in Bezug auf die Entstehungsgeschichte von musikalischen Werken oder Gemälden, die Komponisten/Künstler/SängerInnen oder der Oper als Kunstform an sich.
Es ist ähnlich wie bei einem Eisberg. Die gehörte oder gesehene Oper ist nur die Spitze. Vieles liegt im Verborgenen und man muss unter die Oberfläche um es zu entdecken. Auch die Gegenwart bietet viel. Neue Inszenierungen, neue Interpretationen von Regisseuren (Stichwort: Regietheater), die reflektiert und kritisch betrachtet werden können und sollten. Dies alles funktioniert im Austausch mit Anderen sowohl in persona als auch über Soziale Medien sehr gut.

Damit einhergehend ist die Anhäufung von Programmheften/-büchern und Besetzungszetteln. Erstens als Erinnerung und Gedankenstütze und zweitens zur Vertiefung des Werkverständnisses und zur besseren Durchdringung von Inszenierungen. Ich habe auch wieder begonnen CDs mit klassischer Musik und Opernaufnahmen zu kaufen. Meine Sammlung fasst mittlerweile (wieder) zwei Regale. Es ist wieder schön zu suchen und auszuwählen, vergleichend zu hören, die Booklets zu lesen und alte Bilder darin zu betrachten. Dies alles steht im Gegensatz zu meinem früheren Kulturbegriff und dem damaligen Umgang damit. Damals habe  ich nämlich versucht meine gesamte Musik von Tonträgern ins MP3-Format zu digitalisieren. Die CDs lagern nun im Keller. Die meisten Bücher fristen ihr Dasein auch in Kartons dort. Es geht praktisch wieder „Back to the Roots“.

Im Ergebnis ist es ein intensives Hobby geworden, welches mir bei einem Opern-/Theaterbesuch oder in einem Museum auch stundenweise eine Auszeit vom Alltag verschafft. Es gibt mir Kraft. Und entgegen mancher Vorurteile ist dies keine elitäre Kunst. Viele haben nur Angst sich ihr zu nähern. Ich kann euch nur zurufen: Probiert es aus!

Fazit

Kultur ist für mich nicht per se definierbar, sondern „seine“ Kultur bestimmt jeder persönlich! Meinen Kulturbegriff und dessen Wandlung hab ich versucht euch mit obigen Zeilen transparent zu machen.

Werbung in eigener Sache:
Zum Thema Subjektivität in der Musik hat schon der Musikkritiker Joachim Kaiser treffende Wort gefunden. Dies hab ich vor kurzer Zeit versucht darzustellen: Die Subjektivität der Musik. Gedanken zu Interpretation und Kritik.

 

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8 Comments

  1. Oh mei oh mei, ich komme kaum noch hinterher heute (5 Blogposts) mit diesen genialen Beiträgen zu #KultDef und die Blogparade läuft noch über eine Woche – Wahnsinn!

    Mir gefällt dein Zugang zu #KultDef sehr! Schon spannend zu sehen, dass du erst spät zur klassischen Musik kamst. Für mich ist das leider noch immer ein Buch mit 1.000 Siegeln. Irgendwann werde ich das sicherlich auch ändern. Eure Post zu #KultDef machen mir immer mehr Lust, mich auch mal auf das Abenteuer Oper einzulassen – mal schaun‘!

    Klasse auch, dass du den Monaco Franze illustrierend zu deinem Kulturverständnis gewählt hast. Für jeden ist Kultur anders. Und ja, traut euch ruhig ins Museum, in die Oper (werde ich definitiv in naher Zukunft mal tun).

    Herzlich,
    Tanja

    Gefällt 1 Person

    1. „Die Geister, die ich rief…!“ – aber es hat sich wirklich einiges angesammelt! Bin gespannt wie du das zusammenfasst.

      Falls du Tips brauchst hinsichtlich deines ersten Opernbesuchs, dann melde dich einfach!

      Gefällt mir

  2. Hallo, mein Lieber!
    Deine Post habe ich mit großem Interesse gelesen und mich auch über die gut gewählten Ausschnitte vom Monaco Franze gefreut. Es ist schon spannend, auf welche Weise man Zugang zur klassischen Musik findet. Ich habe als Vierzehnjähriger eine Mitschülerin eingeladen, gemeinsam in die Entführung aus dem Serail zu gehen – und war hierzu kaum durch den zweimaligen Besuch des Weihnachtsmärchens mit zehn und elf Jahren animiert worden. Theater und Oper kam in meiner Familie nicht vor, trotzdem wollte ich das kennenlernen – und bin dabei geblieben.
    Viele Grüße
    Norman

    Gefällt 1 Person

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