26. Todestag von Herbert von Karajan.

„Ein junger Kapellmeister aus Ulm, ein gewisser Karajan.“
„Aus Ulm?“ fragte Reinhardt. „Wie lange ist er denn schon dort?“
„Fünf Jahre, Herr Professor.“
„Fünf Jahre in Ulm“, sagte Reinhardt mit einer bedauernden Geste. „Aus dem wird nie etwas werden.“ 

Reinhardt sollte – glücklicherweise – nicht Recht behalten. Am heutigen Tag im Jahr 1989 verstarb Herbert von Karajan in seinem Haus in Anif in der Nähe von Salzburg an einem Herzanfall.

Joachim Kaiser schrieb tags darauf einen Nachruf, der einleitend mit folgenden Worten begann:

„Er ist der erfolgreichste – und in vielem Sinne auch folgenreichste – Dirigent der Musikgeschichte gewesen. Niemand, seit es den Beruf des Dirigenten gibt, hat ein größeres ‚Imperium‘ zu erbauen, zu beleben und zu erhalten gewußt [sic!] als er. Sein Name war nicht nur den Musikern in aller Welt geläufig, sondern er war für viele – auch solche, die den schönen Künsten fernstanden – zum Begriff von Musik schlechthin geworden.“

Karajan war für seinen exzentrischen Lebensstil bekannt. Er liebte schnelle und teure Autos. Er besaß eine Privatpilotenlizenz und flog anfangs eine Cessna. Später wechselte auf den mit Düsentriebwerken ausgestatteten Business-Jet Dassault Falcon 10. Beim Segeln durfte natürlich die Presse für wirkungsvolle Aufnahme nicht fehlen.

Doch diese Technikaffinität beschränkte sich nicht nur auf sein Privatleben. Er zeigte auch hohes Interesse an der schnell fortschreitenden Entwicklung der Aufnahmetechnik. Dies führte zu zahlreichen Aufnahmen, die bist heute Referenzcharakter in Klang und Interpretation besitzen.

Karajan hat als Dirigent mehr Einspielungen auf Ton- und Bildträger vorgelegt als die meisten seiner Kollegen. Er spielte etwa 700 Werke von rund 130 Komponisten ein, weltweit wurden an die 300 Millionen Tonträger mit seinem Namen verkauft. Die Deutsche Grammophon (DG), Karajans Haus-Label seit den 1960er-Jahren, machte mit ihm bis zum Jahr 2008 ein geschätztes Drittel ihres Umsatzes. Hinzukommen zahlreiche, eigens „inszenierte“ Aufzeichnungen von Konzerten, die durch seine Firma „Telemondial“ produziert und vermarket wurden. Diese sollten als „Vermächtnis“ für die Nachwelt gelten. Diese Intension bestimmte zum großen Teil die letzten Jahre von Karajans Handeln.

Kaiser schließt im Hinblick darauf seinen Nachruf:

„Wohldokumentiert, eingeschlossen in fast unübersehbar viele Schallplatten-Aufnahmen, CD-Dokumente, Fernsehfilme, liegt Karajans Lebensleistung vor. Ein Ehrenplatz in der Geschichte des Dirigierens ist ihm sicher. Ob er, wie er es wohl beabsichtigte, auch das 21. Jahrhundert so wird faszinieren können, wie er das 20. beherrschte – das freilich liegt in der Zukunft und in den Sternen.“

Die Faszination Karajans liegt wohl immer noch offensichtlich vor. Sowohl in Werk als auch in seiner Person. Vergleiche werden immer noch angestellt.

Ein interessantes Interview mit Karajan aus der Serie „Zeugen des Jahrhunderts“:

Und eine Dokumentation über sein Schaffen für TV und Video:

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