Dokumentationsstätte Regierungsbunker – der Kalte Krieg hautnah!

12 Jahre Bauzeit. 5 autarke Bauwerke. 19 km unterirdischer, umbauter Raum. 83.000 qm Fläche. 30.000 Tonnen verbauter Stahl und Beton. 3.000.000 Liter eingelagerter Dieselkraftstoff. Aufnahmekapazität von 3.000 Personen für 30 Tage nach atomarem Erstschlag (600 pro autarkes Bauwerk). 33.000.000 DM Unterhalt pro Jahr.

Rohbau kostete 365.000.000 DM. Ausbau ist nicht nachvollziehbar, da Geheimsache und nicht in den Haushaltsplänen ausgewiesen. Schätzungen gehen von 4.740.000.000 DM Gesamtbaukosten aus. Der Rückbau der Anlage kostete 15.600.000 Euro.

8 Betontore mit jeweils 3,70 m Durchmesser, 1,20 m Dicke und 25 Tonnen Gewicht sichern die Zugänge – Verschlusszeit 10 Sekunden (nach Aktivierung vor Verschluss keine Möglichkeit mehr Tor anzuhalten). Handschließung konnte durch 2 Personen in 45 Minuten erfolgen. Erste Hitzewelle (bis zu 10.000 Grad) nach Atomschlag konnten abgefangen werden.

Offiziell hieß der Bunker „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit (AdVB)“. Im Verteidigungsfall sollte der Bunker den Bundespräsidenten, den Bundeskanzler, den Gemeinsamen Ausschuss (Notparlament im Verteidigungsfall = ⅔ Bundestag + ½ Bundesrat), den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, verschiedene Minister und dazu ziviles und militärisches Personal aufnehmen.

Zur Zeit des Kalten Krieges standen an den jeweiligen Dienstsitzen in Bonn täglich Busse bereit, die die vorgesehenen Personen im Krisenfall in den Bunker bringen konnten. Sollten die Busse bereits atomar beeinträchtigt worden zu sein, standen Dekontaminationsschleusen in den Eingangsbauten bereit. Dort wären Personen entkleidet worden, hätten unter Aufsicht duschen müssen und wären abschließend durch einen Arzt untersucht worden. Erst nach dieser Prozedur wäre der Zutritt in den eigentlichen Bunkerbereich gewährt worden.

Zur Aufrechterhaltung des Betriebs und dauernden Einsatzfähigkeit waren täglich 180 Personen beschäftigt. 140 davon im Bunker im 24-Stunden-Betrieb. Im Bunkertagebuch wurde jede Maßnahme und Tätigkeit vermerkt. Höchste Geheimhaltungsverpflichtung unter Eidesleistung. Montag fand eine Generalschließung statt, um alle Tore auf Funktion zu überprüfen. Die Steuerung und Überwachung der gesamten Anlagen erfolgte aus zentralen Räumen. Diese befanden sich in den 5 autarken Bauwerken. Jede Zentrale konnte jedoch alle Bereiche der gesamten Anlage ansteuern.

Zur Sicherung des Bunkers vor ABC-Angriffen waren oberirdisch hochmoderne Sensoren verbaut, die auf Licht und entsprechende Stoffe reagierten. Reaktionszeiten der Sensoren 6 Millisekunden. Im Auslösefall war der Bunker in 100 Millisekunden hermetisch abgeriegelt.

Im Bunker befanden sich Werkstätten sowie ein Ersatzteillager in dem jedes im Bunker verbautes Teil mindestens einmal vorhanden war. Ebenso bestand eine eigene Bunker- und Werksfeuerwehr.

Bunker war klimatisiert und wurde grundsätzlich mit Strom aus dem normalen Netz gespeist. Unabhängiger Notstrom konnte durch MAN-Schiffsmotoren (16 Zylinder) und 8 Tanklagern mit 3 Mio. Liter Diesel gewährleistet werden.

Die Verköstigung der 3.000 Personen wäre in eigenen Küchen durch Marineköche erfolgt, da diese die engen Verhältnisse gewohnt waren. Ebenso gab es einen Frisörsalon sowie ein „Kino“.

Es gab 897 Büroräume und 936 Schlafräume, die sehr einfach eingerichtet waren. Es bestanden lediglich gemeinschaftliche Waschräume und Toiletten. Lediglich der Bundespräsident hatte einen separaten Arbeits- und Schlafbereich sowie eine Badewanne. Der Bundeskanzler musste sich mit einem eigenen Schlafzimmer und Nasszelle mit Dusche zufrieden geben.

Für die Amtsgeschäfte war ein „Plenarsaal“ eingerichtet, der per Videoübertragung aus dem Lageraum auf dem Laufenden gehalten werden konnte.

Der Bunker wurde nie in einem Ernstfall benutzt. Es fanden jedoch regelmäßig Übungen statt an denen jedoch nur Beauftragte teilnahmen.

Mehr Infos gibt’s auf der Internetseite der Dokumentationsstätte: http://www.regbu.de .

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